![]() |
Franz von Assisi:
Wo ist Christus? Franziskus -
|
|
Er verkaufte nunmehr auf dem Markt der nahegelegenen Stadt Foligno sein Pferd und Waren seines Vaters, um für die Kirchenrenovierung noch mehr Geld zu beschaffen. Jeder sah mittlerweile, daß er seine Arbeit als angehender Kaufmann eingestellt hatte und sein Vater fühlte sich äußerst verletzt über das Verhalten und die Vorgehensweise seines Sohnes. Vater Bernadone machte sich sofort auf den Weg und holte Franziskus nach Hause. Dort versuchte er ihn mit guten Worten zur Umkehr zu bewegen, sperrte ihn, als er feststellte, daß er seinen einegschlagenen Weg nicht ändern wollte, jedoch erbarmunglos ein. Erst durch die Mutter gelang ihm während der Abwesenheit seines Vaters, der in einer dringenden Familienangelegenheit außer Haus war, die Flucht und er kehrte zurück nach San Damiano. Als der Vater zurück nach Assisi kam, zornig über die Vorgehensweise seiner Frau, ließ er seinen Sohn suchen, doch dieser versteckte sich fast einen Monat lang in einem vorbereiteten Versteck. Für Pietro Bernadone war es die letzte Chance, sich den Willen seines Sohnes gefügig zu machen und ließ ihn vor Gericht zitieren, um zumindest das Geld zu erhalten, das sein Sohn von ihm besaß und damit dieser auf sein ganzes Vermögen verzichte. Das weltliche Gericht sah sich aufgrund Franziskus religiöser Absichten jedoch nicht zuständig und verwies den Vater an Bischof Guido von Assisi. Franz setzte die Renovierung des kleinen Kirchleins fort und erhielt einige Zeit später die Vorladung bei Bischof Guido. So erschien er denn vor
dem Bischof und wurde von diesem mit großer Freude empfangen. Der
Bischof sprach zu ihm: "Dein Vater ist aufs äusserste wider dich aufgebracht
und gar erzürnt. Willst du also Gott dienen, so gib ihm das Geld,
das du hast, heraus! Vielleicht gehört es ohnehin zu unrecht
Nunmehr war der Bruch mit
seinem Vater, der Bruch mit seinem ehemaligen Leben, mit der Welt, vor
Augen des Bischofs und der versammelten Stadtbevölkerung öffentlich
besiegelt, er verließ die Stadt und begab sich wieder nach San Damiano.
Der Herr verlieh mir einen
solchen Glauben,
Bekleidet mit einem Einsiedlergewand,
das er sich mit einem Ledergürtel um seine Hüfte festschnürte,
mit Schuhen und ausgestattet mit einem Stock, dieses war für damalige
Eremiten durchaus üblich, zog er in der nächsten Zeit oft durch
Assisis Gassen und bettelte dort von Haus zu Haus um Essen und Geld, letzteres
um die Renovierungsarbeiten zügig fortführen zu können.
Nachdem zwei Jahre später, im Jahre 1208, die Arbeiten abgeschlossen
waren, baute er im Anschluß daran zwei weitere Kirchen wieder auf.
Bei der ersten handelte es sich um das kleine Gotteshaus San Pietro della
Spina, ca. 3 km südöstlich von Assisi entfernt, jedoch heute
nicht mehr vorhanden. Die andere Kirche sollte zum geistlichen Mittelpunkt
der späteren Gemeinschaft werden, heißt Portiunkula und ist
heute noch vorhanden.
Eines Tages aber wurde
in eben dieser Kirche das Evangelium, wie der Herr seine Jünger zum
Predigen aussandte, verlesen, und der Heilige Gottes war zugegen. Wie er
die Worte des Evangeliums vernommen hatte, bat er gleich nach Beendigung
der Meßfeier inständig den Priester, ihm das Evangelium auszulegen.
- Dieser erklärte ihm alles der Reihe nach. Als heilige Franziskus
hörte, daß die Jünger Christi nicht Gold oder Silber noch
Geld besitzen, noch Beutel, noch Reisetasche, noch Brot, noch einen Stab
auf den Weg mitnehmen, noch Schuhe, noch zwei Röcke tragen dürfen,
sondern nur das Reich Gottes und Buße predigen sollen, frohlockte
er sogleich im Geiste Gottes und sprach: "Das ist's, was ich will, das
ist's, was ich suche, das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun." Deshalb
machte sich der heilige Vater, von Freude überströmend, eilig
an die Ausführung des heilsamen Wortes und duldete keine Verzögerung
mehr, mit ganzer Hingabe die Verwirklichung dessen zu beginnen, was er
eben gehört. Allsogleich löste er die Schuhe von den Füßen,
legte den Stab aus der Hand und, zufrieden mit einem einzigen Habit, vertauschte
er den Ledergürtel mit einem Strick. Darauf richtet er sich den Habit
in Form des Kreuzes zurecht, damit er in ihm alle teuflischen Trugbilder
abwehre; er macht ihn aus rauestem Stoff, um in ihm das Fleisch mit seinen
Lastern und Sünden zu kreuzigen; er macht ihn schließlich recht
armselig und schmucklos, daß er der Welt in keiner Hinsicht begehrenswert
erscheinen könne. Das übrige aber, was er gehört, begehrte
er mit größter Sorgfalt und mit höchster Ehrfurcht zu tun.
Er war ja kein tauber Hörer des Evangeliums, sondern behielt alles,
was er hörte, in seinem rühmenswerten Gedächtnis und mühte
sich, es auf den Buchstaben sorgfältig zu erfüllen.
(1 Cel 22)
In den letzten Jahren auf der Suche nach Christus und seinem eigenen Lebensweg, war Franziskus stets bewußt, kein Priester werden zu wollen. Er hatte aber Respekt vor der kirchlichen Amtshierarchie, vor jedem einzelnen Priester und unterschied sich gerade hierdurch von anderen Bewegungen wie den Waldensern oder Katharern, die bald nach ihrem Auftreten, aufgrund ihrer unheilbaren Kritik an den Klerus von diesem wegen häretischer Behauptungen angezeigt wurden. Der Herr verlieh mir auch
bis heute
Er wußte aber auch, daß der Stand des Priestertums, des Klerus und der Ordensleute ein Leben mit gesicherter Zukunft bedeutete. Es war nicht das Leben in der Nachfolge Christi, sondern ein höchst angesehener Stand in der Gesellschaft mit vielen Vorzügen. Diesen Vorzügen, dieser gesicherten Zukunft hatte er entsagen wollen, nicht um einen zuweil höheren Stand beizutreten. Er hat desweiteren niemals Kritik über die Lebenshaltung und Lebensweise, über den "hohen Komfort" der Weltkirche geäußert. Ein Mann am Rande der Gesellschaft, ein Armer unter Armen, ein Aussätziger unter Aussätzigen, als der sich Franz verstand, konnte und durfte niemanden kritisieren. Zwar wollte der Heilige, daß seine Söhne mit allen Menschen Frieden halten und sich allen gegenüber als die ganz Kleinen erweisen sollten. Doch belehrte er sie durch sein Wort und zeigte ihnen durch sein Beispiel, daß sie dem Klerus besonders unterwürfig seien. Er sagte nämlich: "Zur Unterstützung des Klerus sind wir gesandt für das Heil der Seelen, damit das, was ihm fehlt, von uns ersetzt werde. Jeder wird seinen Lohn empfangen nicht nach dem Ansehen, das er besaß, sondern nach dem Maße seiner Arbeit. Wisset, Brüder, daß die Rettung der Seelen Gott überaus wohlgefällig ist und daß man dieselbe besser durch Frieden erreichen kann als durch Zwietracht mit dem Klerus. Wenn er selbst das Heil des Volkes verhindert, dann bedenket: Gott steht die Rache zu, und er wird ihnen vergelten zu seiner Zeit. Seid daher der kirchlichen Obrigkeit untertan, damit nicht, soviel an euch liegt, Eifersucht aufkomme. Wenn ihr Söhne des Friedens seid, werdet ihr Klerus und Volk für den Herrn gewinnen, was der Herr für wohlgefälliger erachtet, als wenn ihr nur das Volk gewinnt, den Klerus jedoch ärgert. Bedecket daher ihre Fehler, ersetzt ihre vielfältigen Mängel, und habt ihr dies getan, so seid erst recht demütig"! (2 Cel 146) |